top

Frischer Wind für unsere Orgel


Musik ist schon immer ein wichtiger Bestandteil der Religionen dieser Welt. Welchen Stellenwert sie in der Bibel einnimmt, wird daran ersichtlich, dass Zither- und Flötenspieler die ersten Berufe sind, die nach Kain, dem Bauern, und Abel, dem Hirten, explizit erwähnt werden (1. Moses 4, 21).


Die Orgel als Kircheninstrument


Die Orgel, die wir heute zuallererst mit Kirchenmusik verbinden, war jedoch bei den ersten Christen nicht sonderlich beliebt. Sie war zu jener Zeit ein weltliches Instrument und wurde in den Arenen der Römer gespielt. So waren ihre Klänge wohl häufig die letzten Töne, die Christen vor ihrem Kampf mit den Löwen hörten.
Im byzantinischen Reich wurde die Orgel erstmals bei kaiserlichen Zeremonien eingesetzt. Von dort aus kam sie im 8. Jahrhundert nach Europa an den Fränkischen Hof und hielt schließlich ab dem 9. Jahrhundert langsam Einzug in unsere Kirchen. Aber erst in der Gotik ab dem 12. Jahrhundert etablierte sich die Orgel zum Hauptinstrument in der christlichen Liturgie.


Die Orgeln von St. Martin


Die erste für unsere Gemeinde historisch belegte Orgel wurde 1746 in die Vorgängerkirche der heutigen St. Martinskirche eingebaut. Abgesehen davon, dass es diese Orgel gab, ist jedoch nichts weiteres über sie bekannt.
Im Zuge des Neubaus der heutigen St. Martinskirche in den Jahren 1819 bis 1823 wurde auch der Bau einer neuen Orgel durch den Orgelbauer Johann Hartmann Bernhard aus Romrod beschlossen. Bei der Kirchweihe am Martinstag 1823 erklang sie zum ersten Mal.
Da die Jahre nach den Napoleonischen Kriegen vom Mangel geprägt waren, waren auch die für den Neubau verwendeten Materialien von schlechter Qualität. Trotz zweier Überarbeitungen war die Orgel nach 125 Jahren daher auch fast nur noch zur Hälfte spielbar. 1949 nahm der Orgelbauer Richard Schmidt aus Gelnhausen eine weitgreifende Überholung und Umgestaltung vor. Allerdings herrschte auch nach dem 2. Weltkrieg wieder ein Mangel an guten Materialien, und so überdauerte die überholte Orgel nur gut zwei Jahrzehnte, bis sie praktisch unspielbar war.
Initiiert durch Pfr. Lichtenthaeler wurde als Folge dessen 1970 unsere heutige Orgel als kompletter Neubau bei der Firma Förster & Nicolaus aus Lich in Auftrag gegeben. Der Entwurf des Neubaus orientierte sich wieder stark an der ursprünglichen Disposition (Gesamtanlage der Orgel) von 1823. Er behielt auch deren Prospekt (Schauseite der Orgel) mit den originalen Pfeifen der alten Orgel bei, so dass der Kircheninnenraum optisch nicht verändert wurde.
Die Orgel, so wie wir sie heute in unserer Kirche finden, ist ein wahres Meisterwerk der Orgelbaukunst, auf der besonders Stücke aus dem Barock und der Moderne exzellent dargestellt werden können. Im Vergleich zur ursprünglichen Disposition von 1823 fehlen lediglich ein paar sanfte Register und einige Register sind nach heutigen Maßstäben etwas schrill intoniert.
Die Spuren der Zeit
Eine Orgel muss je nach Gegebenheiten etwa alle 20 Jahre gereinigt werden. So entsteht unter anderem durch den Ruß der Kerzen in Verbindung mit Staub und Feuchtigkeit eine haftende Schmutzschicht, die sich in den sogenannten Pfeifenlabien absetzt und die engen Stellen, durch die die Luft strömt, zusetzt. Dadurch können die Pfeifen nicht mehr ordentlich klingen und auch nicht mehr sauber gestimmt werden.
Dass die Orgel in St. Martin seit ihrer Erbauung im Jahr 1970 nicht gereinigt wurde, kann man trotz regelmäßiger Wartung und Stimmung mittlerweile schon hören. So klingen die Pfeifen des gleichen Registers zum Teil unterschiedlich und man kann bei einzelnen Registern ein Rauschen ausmachen. Da wir noch viele Jahre Freude an diesem herrlichen Instrument haben wollen, wird eine Reinigung unausweichlich.
Orgelreinigung in 2018
Die Orgelreinigung wird Ende des Jahres durch die Orgelbaufirma Förster & Nicolaus durchgeführt, die die Orgel vor 48 Jahren auch gebaut hat.
Zuerst werden alle Pfeifen der Orgel ausgebaut – das sind immerhin ungefähr 1.500 Stück mit einer Länge von wenigen Zentimetern bis zu 2,4 Metern. Sie werden einzeln gewaschen und poliert, kleine Schäden werden direkt behoben. Zum Schluss wird jede Pfeife einzeln vorgestimmt.
Auch die Verbindung von der Tastatur zu den Pfeifen, die sogenannte Spieltraktur, bedarf einer Überholung. Sie ist eine komplexe Mechanik aus Ventilen, Drähten, Holzwinkeln, Lagern und Lederlaschen, bei der mittlerweile einige Drähte verbogen, zahlreiche Holzwinkel und Lederlaschen brüchig und die Lager schwergängig geworden sind. Beim Spielen merkt man das deutlich daran, dass die Tasten unterschiedlich schwer niederzudrücken sind und die Töne nicht immer gleichmäßig erklingen. Manchmal bleiben Ventile sogar einfach hängen und erzeugen sogenannte Heuler. Nachdem die Tastaturen und Pedale gereinigt und wieder eingesetzt sind, wird die gesamte Mechanik neu eingestellt.
Die elektrischen Antriebe, die die Register aktivieren und deaktivieren, werden komplett ausgetauscht. Dadurch wird auch das hörbare Umschalten der Register in Zukunft wegfallen.
Im letzten Schritt wird die Orgel dann wieder zum Klingen gebracht. Diese klangliche Gestaltung aller Pfeifen bezeichnet man als Intonation. Dabei werden alle Register in Klangfarbe und Lautstärke sorgfältig aufeinander abgestimmt – natürlich unter Berücksichtigung des neobarocken Stils unserer Orgel und der Raumakustik in der Kirche.


Jede Unterstützung zählt


Die gesamte Reinigung wird vier bis sechs Wochen in Anspruch nehmen und die Kosten sind dementsprechend recht hoch. Der Kostenvoranschlag beläuft sich momentan auf 28.000 Euro. Leider beteiligt sich die Landeskirche nur mit einem sehr geringen Zuschuss. Daher freuen wir uns über jede finanzielle Unterstützung.
In der Kirche steht beim Ausgang auf der rechten Seite der Tür eine Orgelpfeife, deren Inhalt der Orgelreinigung zugute kommt.

Nach der Reinigung wird es natürlich ein besonderes Konzert geben, bei dem Sie den neuen Klang der Orgel genießen können.


   Acrobat Reader  Valid CSS!  Valid XHTML 1.0!
Hauptmenu
 
Submenu
 
bottom