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Das Stolle - Häuschen

In diesen Tagen hat das “Stolle-Häuschen” am Kindergarten der
St. Martinsgemeinde eine neue Bestimmung bekommen.
Der Verein “Kleeblatt- Kelsterbach e.V. ” hat dort sein Büro eröffnet. Damit beginnt ein weiterer Abschnitt in dem Leben des kleinen Hauses in der Pfarrgasse.

Aber wie steht es um seine Vergangenheit?

Im Juni 1919 verkauften Jakob Ludwig Hardt III. und seine Ehefrau Elisabeth Katharina, geb Engisch das Haus an den Schlossermeister Ludwig Philipp Stolle und seine Ehefrau Katharina, geborene Schütterich, die dort mit ihren beiden kleinen Kindern einzogen. Am Haus und hinter dem Haus waren kleine Gärten, und auf der Seite zum Pfarrgässchen waren Verkaufsräume, in denen die Stolles Eisenwaren aller Art verkauften (heute die Parkplätze und Zufahrt zum Haus Feste Burg).

Über die Zeit vor den Stolles ist bisher wenig bekannt. Das Haus war zu der Zeit schon mehr als 100 Jahre alt. Leider sind über die Vergangenheit bisher keine Unterlagen aufgetaucht, man kann aber von der Lage des Hauses schließen, dass es zum ganz alten Bestand von Kelsterbach zählt.
In einem Lageplan von 1895 hat Pfarrer Beyer das Pfarrgelände und seine Umgebung gezeichnet. Auf diesem Plan wird das “Stolle”-Gelände als “Hofraithe” und Gartengelände von Philipp Hardt bezeichnet.
Bei dem Verkauf des Hauses 1919 wurde auch besagter Philipp Hardt IV. aufs Rathaus geladen, aber der Gerichtsdiener, ein Herr von der Schmitt, kam unverrichteter Dinge zurück, die Ladung trägt den Vermerk: “schon lange Jahre verstorben”.

Zwischen der Familie Stolle und der Familie des Pfarrers Oelschner entwickelte sich in den 1950er Jahren ein reges Hin und Her, aufgrund dessen Ludwig Stolle testamentarisch verfügte, dass nach seinem Tod die Kirchengemeinde Haus und Grundstück erwerben sollte.
Letztes Erinnerungsstück an diese Zeit ist ein Tor in der Mauer zwischen den beiden Grundstücken, jetzt vermauert und wegen des Efeus vom Pfarrhof her fast nicht zu entdecken.

Verkauf an die St. Martinsgemeinde für die Jugendarbeit

Und so erwarb die Gemeinde am 17. November 1966 das Haus mit dem Ziel, es für die Jugendarbeit der Gemeinde zu nutzen.

Die evangelische Jugendarbeit, damals ausschließlich männlich, hatte ihre Heimat in dem grünen Jugendheim auf dem Kindergartengelände. Einige Jahre nach dem Krieg wurde dort eine Baracke aufgeschlagen, die durch die Jugendlichen und den Bläserchor eingerichtet worden war. Sie trug den Wahlspruch des Kelsterbacher Evangelischen Jugendwerks:
Willi Hardt hatte dort die Jugendarbeit wieder begonnen, gefolgt von Wilfried König und Günter Diether.

Der (alte) Kindergarten war in der umgebauten Pfarrscheuer (am Ort des heutigen Haus Feste Burg) untergebracht. Die Zustände dort waren unhaltbar geworden, so dass Mitte der 60er Jahre ein neuer Kindergarten gebaut wurde. Mit dem Bau des neuen Kindergartens musste das alte Jugendheim aufgegeben werden, dafür gab es Platz in der alten “Kleinkinderschule”.
Der Jugendarbeiter Friedrich Meisinger zog mit der Familie in das Stolle-Häuschen ein und richtete Haus und Nebengebäude für die Jugendarbeit her.
Die evangelische Jugendarbeit blühte, es gab eine Bubenjungschar, zwei Jungenkreise und eine Gruppe von Heranwachsenden, die regelmäßig von Friedrich Meisinger zu Veranstaltungen nach Frankfurt mitgenommen wurden.

Friedrich Meisinger war zu der Zeit hauptamtlicher Jugendleiter (des EJW Frankfurt) im Dekanat Dornbusch im Frankfurter Norden; die Arbeit in Kelsterbach erfolgte ehrenamtlich. Nach dem Umzug von Meisingers nach Frankfurt wohnte dann Gerhard Schlesinger in dem Haus, der auch in der Jugendarbeit engagiert war.

Nach seinem Auszug 1988 stand das Haus rund 10 Jahre leer und verfiel zusehens, ein ‘Schandfleck’ für das Unterdorf.
Man war sich nicht einig, was mit Haus und Gelände geschehen soll. Für eine umfassende Sanierung war kein Geld vorhanden, und so war die Kirchengemeinde bestrebt, Haus und Gelände in Erbpacht zu veräußern.
Eine Anzeige hierzu wurde im Freitagsanzeiger veröffentlicht, und es gab auch einige Interessenten für Haus und Gelände.

Dann kam es aber anders: Der Kirchenvorstand beschloss, das Haus zu behalten und als Station für die Gemeindekrankenpflege neu aufzubauen.
Bis es zu der Ausführung kommen konnte, waren lange Auseinandersetzungen mit der Denkmalspflege notwendig.
Aber dann kam man zu einer Einigung: Das Haus wurde abgetragen und vom Keller her - dem Original entsprechend - neu aufgebaut; die noch vorhandenen und brauchbaren Fachwerkbalken wurden als Sichtfachwerk im Obergeschoss eingebaut. Es war eine langwierige und überaus teure Angelegenheit, zu der die Stadt Kelsterbach auch finanziell beigetragen hat.

Am 18. Januar 1998 wurde die Einweihung gefeiern. Leider war die Zeit nur kurz, in der das Haus durch die Gemeindekrankenpflege St. Martin genutzt wurde.
Eine Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen hatte die Schließung der gemeindeeigenen Krankenpflege notwendig gemacht.

Aufgrund damaliger Umstände hatte Rosemarie Schneider 2001 einen Pflegedienst übernommen, suchte nach einer Bleibe, zog mit ihren Mitarbeiterinnen in das leerstehende Haus ein und erfüllte es für das nächste Jahrzehnt mit Leben. Dafür war das Haus ja auch gebaut worden, dass von ihm aus den Kelsterbachern in Krankheit und Alter geholfen wird.
Nun ist der Krankenpflegedienst von Rosie Schneider weit über das kleine Haus gewachsen, sie brauchte neue, größere Räume.

Und so hat das Haus mit dem “Kleeblatt - Kelsterbach e.V. ” nun neue Bewohner, damit es seinen Zweck für die Kelsterbacher weiterhin erfüllen kann.

Im Jahr 2016 wurde das Stollehäuschen renoviert und erstrahlt jetzt in neuem Glanz.
Joachim W. Bremer,
mit Beiträgen von Fr. Meisinger und G. Diether

Stand November 2013


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