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Die Mönchhofkapelle

Etwa 5 km stromabwärts von Kelsterbach (Richtung Raunheim) steht am Mainufer die Mönchhofkapelle, in der die St. Martinsgemeinde seit dem Jahre 2000 am Pfingstmontag Gottesdienst feiert.

Im Sommerhalbjahr finden weitere Gottesdienste und Andachten durch die Kirchengemeinden der Umgebung statt, zusätzlich gibt es einen gemeinsamen Gottesdienst der drei evangelischen Kelsterbacher Gemeinden, wenn ein Sonntag “zwischen den Jahren” liegt.
Die Mönchhofkapelle mit ihrem Friedhof ist der letzte Rest des früher bedeutenden Mönchhofs. Über viele Jahrhunderte war er einer der Wirtschaftshöfe des Klarissenklosters in Mainz (Reichklarakloster), bis er 1803 an das Land Hessen fiel und als Staatsdomäne weiterbetrieben wurde.
1962/63 wurde das Gelände verkauft, die Wirtschaftsgebäude niedergelegt und eine Erdölraffinerie gebaut, die bis Mitte der 80er Jahre bestand.

2004 ging die denkmalgeschütze Mönchhofkapelle und der dazugehörige Friedhof in den Besitz der Fraport über.

Die Mönchhofkapelle wurde 2007 restauriert, dabei wurden unter mehreren Farbschichten 11 von 12 gemalte Apostelkreuze gefunden.

Hierzu nun ein kleiner historischer Exkurs

Vor rund 800 Jahren gründete Franz von Assisi in Italien einen Bettelorden (Franziskaner) , dessen Mitglieder sich durch Bedürfnislosigkeit, Keuschheit, Gehorsam und Hingabe an Gott auszeichneten.

Parallel dazu wurde von Klara für die Frauen der Clarissenorden mit gleichen Vorgaben gegründet, die Ordensregel war 1247 fertig formuliert und wurden sechs Jahre später von Papst Innozenz bestätigt.

Zehn Jahre später (1263) schon spaltete sich der Orden. Während die Arm-Klarissen am Armutsideal der Gründerin festhielten, ließen sich die Befürworter eines Frauenordens mit Einkünften und klösterlichen Besitz von dem Papst Urban IV. eine neue Ordensregel bestätigen: Der Reich-Klara-Orden war geboren.

Die Neugründung scheint sehr attraktiv gewesen zu sein...
Aus dem Kloster in Pfullingen werden Nonnen nach Mainz gesandt, dort ein Reich-Klara-Kloster zu gründen.

Am 1.11.1272 ist es soweit; der Frankfurter Patrizier und Kaufmann Hu(m)bert zum Widder, aus Mainz gebürtig, und seine Ehefrau Elisabeth zum Jungen ermöglichen durch eine großzügige Stiftung die Klostergründung, weitere Stiftungen von ihnen folgen zehn Jahre später.

Man muss annehmen, dass dieses Kloster die Förderung von Patriziern und Adel in Gestalt von reichen Zuwendungen erhalten hat, denn 1290 erwirbt es den Mönchhof, zusammen mit dem Dorf Klein-Eddersheim, für 500 Mark von Gottfried V. von Eppstein.

Sein Großvater, Gottfried III. zu Eppstein hatte das Dorf 1118 von dem Kloster Hornbach in der Pfalz zum Leben erhalten. (Vielleicht hat der “Mönch-Hof” aus dieser Zeit seinen Namen, es ist sonst nicht zu erklären, wieso ein Hof im Besitz eines Nonnenklosters “Mönchhof” heißt.)
Die Familie der Eppsteiner ist in dieser Zeit personell und auch wirtschaftlich sehr eng mit Kurmainz und dem Bistum verknüpft, ein mögliches Motiv für das Kloster, hier wirtschaftlich aktiv zu werden.


Mit dem Erwerb des Mönchhofs etabliert sich das Reich-Klara-Kloster als wirtschaftliche Macht am Untermain, zumal zum Mönchhof Waldungen (zum Gundhof hin ) gehören. Ob das Gut Klaraberg gleichzeitig erworben wird, bleibt ungeklärt, da Klaraberg erst 1512 schriftlich erwähnt wird.


Stiftungen und Zuwendungen an Klöster waren damals üblich, es war der Weg, für sich und seine Familie (und ggf. die Nachkommen) Anteil am ewigen Seelenheil zu erwerben. Ob später sonstige, finanz- oder machtpolitische Interessen bei Zuwendungen mitspielten, ist (mir) nicht bekannt.
Mit der Reformation wird Hessen - Darmstadt evangelisch, der Mönchhof bleibt mit Claraberg und dem Gundhof (bei Walldorf) - und natürlich auch Schwanheim - katholisch.


Rund 100 Jahre nach der Reformation, wird im 30-jährigen Krieg (1622) der Mönchhof durch einen Brand verwüstet, aber bald wieder aufgebaut.
Die Wiedererrichtung der Kirche folgt einige Zeit später (1687).

Für die nächsten 100 Jahre kehrt wieder Ruhe ein.

Allerdings:
Reichtum weckt Begehrlichkeit; und so wird das Reich-Klara-Kloster nach fünf Jahrhunderten des Bestehens im Jahre 1781 geschlossen, seine Einkünfte der Universität Mainz zugeschlagen.

Ein Zeitabschnitt ist zu Ende.

Mehr Details zum Inneren der Kapelle

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Anreise zur Mönchhofkapelle

Die Mönchhofkapelle liegt malerisch direkt am Main-Rad-Wanderweg, der von den zwei Mainquellen bis zur Mündung läuft.

Wochentags fährt ein Bus bis direkt vor die Kapelle (Haltestelle "Tejostrasse, Raunheim").

Wer mit dem Auto zur Kapelle fahren möchte, fährt einfach die Tejostrasse bis zum Ende durch, dorch gibt es einige Parkplätze.

Internetlinks

Die Geschichte des Mönchhofs und der Kapelle sind in folgenden Internet - Seiten gut dokumentiert:
Wikipedia: Mönchhof
Wikipedia: Mönchhofkapelle (mit stärkerer Betonung der Baugeschichte)
GG - online: Mönchhofkapelle (mehr auf die heutige Nutzung bezogen)
Stadtverwaltung Kelsterbach
Autor: Joachim W. Bremer
Stand Dezember 2013

Literaturhinweise:
http://www.regionalgeschichte.n et Das ehemalige Reich-Klara-Kloster
lagis - hessen entsprechende Einträge
Klosterlexikon - www.rlp.de
Klarissen-Kapuzinerinnen-Mainz.de


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