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Das weiße oder “Christus” - Parament

An Weihnachten, dem letzten Sonntag nach Epiphanias, Gründonnerstag, der Osterzeit, Trinitatis, Johannis und dem Michaelistag sind die Behänge weiß.

In die Gestaltung dieses Paraments sind einige Symbole eingeflossen, die ich zunächst aufzählen will:

Christus der Weltenherrscher (‘Christos Pantokrator’),

der die Hand zur Herrschaftsgeste erhebt und die Füße auf den Erdkreis stellt; auf dem Thron des Himmels und der Allmacht, der zugleich der Richterthron ist; geflankt von Alpha und Omega - den Anfangs- und Endbuchstaben des griechischen Alphabets - die für unendlichen Anfang und ewiges Ende stehen.

Umgeben ist Christus auf dem Thron von einem Kreis, der den Erdkreis repräsentiert.

Was bedeuten diese Symbole?

Christus wird dargestellt als der Herrscher über Himmel und Erde, so wie es in der Offenbarung des Johannes geschildert ist, am Ende der Zeit, wenn das Böse bezwungen und Gottes Reich vollendet ist. Er hat auf dem Thron Platz genommen: ”zu richten die Lebenden und die Toten”, wie wir es im Glaubensbekenntnis sprechen.

Die Füße von Christus ruhen auf dem Erdkreis, er hat sich die Erde untertan gemacht, indem er seinen Fuß darauf stellt - das ist in der Antike die Handlung des Siegers, wenn der Besiegte vor ihm niederknien muss und der Sieger den Fuß auf seinen Hals setzt.

Sein Kopf ragt in den Erdkreis hinein, was man deuten kann: Sein Geist durchdringt diese Welt und die Finger der ausgestreckten Hand gehen über die Grenze des Irdischen hinweg, indem sie den Erdkreis zum Himmlischen hin transzendieren. Die Geste des Herrschers verbindet weltliche und himmlische Machtfülle.

Durch die Wundmale wird der Christus auf dem Thron als der Jesus von Nazareth identifiziert, er ist auferstanden, durch den Tod hindurch lebendig und mächtig.

Der ‘Christos Pantokrator’ ist umgeben von den Symbolen für die vier Evangelisten, dem Menschen für Matthäus, dem Adler für Johannes, dem Stier für Lukas und dem Löwen für Markus, jeweils geflügelt. Die Zuordnung und Bedeutung der Symbole ist eine Wissenschaft für sich und zu umfangreich für diesen Artikel.

Schauen wir auf den Hintergrund. Er ist durchwirkt von Kronen, jeweils mit drei Spitzen (Drei als die Zahl des Himmlischen) und stellt somit die himmlische Herrschaft Gottes dar.

Der Erdkreis und ebenso die Evangelistensymbole sind mit dem anderen Muster eines “quadratischen Gewebes” gefüllt, einem “irdischen” Muster (vier als die Zahl der Erde, vier Himmelsrichtungen, Tageszeiten, Jahreszeiten, etc.) Die Botschaft der Evangelisten ist für die Erde bestimmt, gleichwie die Herrschaft Christi auch die Erde betrifft.

Der Pultbehang

Der Kanzelbehang

Auf dem Kanzelbehang ist - wiederum symbolisch – das himmlische Jerusalem abgebildet, dargestellt durch ein (Mauer)-Quadrat, durch das jeweils drei Tore führen (12 Bögen in der Linie der Mauer). In der Mitte sind Brot und Kelch abgebildet, das Zeichen für die Gegenwart Christi im Abendmahl.

Interessanterweise ist das “himmlische Jerusalem” im Inneren mit dem ‘irdischen’ Muster ausgeführt, so dass uns Christus im Abendmahl schon in dieser Welt an dem Ort der Freude und Vollendung (himmlisches Jerusalem) teilhaben lässt.


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