top

Das violette Parament

Altarbehang

In der Advents- und der Passionszeit und am Buß- und Bettag hängen am Altar, an der Kanzel und am Lesepult violette Behänge. Violett ist in der Farbenlehre des Kirchenjahres die Farbe der Hinwendung zu Gott, der Buße und der Umkehr.

Auf dem großen Antependium am Altar ist eine komplexe symbolische Darstellung zu sehen, die sich am ehesten dem Betrachter erschließt, wenn man sie - von hinten nach vorn – wie in Schichten hintereinander betrachtet.
Den Hintergrund bildet ein Kreis, die himmlische Welt, das Universum, das All.
Dies ist der Ort für den Thron Gottes, in einfachen rechtwinkligen Strukturen angedeutet.
Auf diesem himmlischen Thron sitzt Gott, der Vater; sein Haupt mit dem Heiligenschein ragt über den Kreis im Hintergrund hinaus, die symbolische Darstellung, dass Gott höher ist als Schöpfung und All.
Vor dem Vatergott steht das Kreuz, von dem nur der obere Teil und der Fuß abgebildet sind.
Am Kreuz hängt Jesus als der Gekreuzigte, der Kopf ist geneigt, der Tod ist eingetreten.
Sein Leib ist lang und schmal und reicht bis aus dem Kreis heraus.
Hinter dem Gekreuzigten ist ein ‘Grabtuch’ zu sehen, das gleichsam den Körper von Jesus aus der himmlischen Höhe hinaus in die irdische Welt leitet.
Auf beiden Seiten des Gekreuzigten sind die Hälften eines gespaltenen Herzens zu erkennen, das Herz des himmlischen Vaters, der seinen geliebten Sohn auf die Erde gibt, dass er dort den Tod erleide.
Dies zerreißt dem Vater das Herz, der Leib des Gekreuzigten geht geradezu wie ein Messer durch des Vaters Herz und wird damit zu der Verbindung von Gott in der Höhe hinab zu den Menschen.
Unterstützt wird diese Interpretation durch die Haltung der Arme und Hände Gottes: Sie hängen nach unten, so als wollten sie etwas freigeben – der Vater, der den Sohn nicht festhält, sondern ihn den Menschen gibt.
Damit korrespondiert die Haltung der Arme und Hände des Gekreuzigten, der sich nicht festhält, sondern mit seiner Geste in die Hingabe einwilligt. Die Hände des Vaters sind dabei von denen des Sohnes durch den Kreuzesbalken getrennt.
Über dem Kopf von Jesus ist eine Taube zu sehen, die aus der Höhe auf ihn herabkommt, das Zeichen des Geistes und eine Erinnerung an die Taufe Jesu, als sich der Himmel öffnete und der Geist auf Jesus kam, begleitet von den Worten aus himmlischen Höhen: ‘Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe’.

Ich habe Ihnen die einzelnen Elemente dieses komplexen Motivs dargestellt, nun also die sprachliche Zusammenfassung: Gott der Vater, erhaben über dem Weltenkreis, gibt seinen Sohn dahin, dass er für die Menschen gekreuzigt wird und stirbt.
Damit wird der Weg frei für die Menschen zu Gott, denn Jesus verbindet mit seinem Leib Himmel und Erde. Dies ist für Gott tiefster Schmerz und weitestgehende Hingabe, die ihm das liebende Herz spaltet [das Herz, das sowohl den Sohn als auch die Menschen liebt].
Ich möchte Ihren Blick noch auf ein Detail leiten: Jesus wird in dieser Darstellung ohne Heiligenschein dargestellt, also ein Mensch, so wie im Nicänischen Glaubensbekenntnis heißt: Und er ist Mensch geworden.
Mit der Adventszeit ist dieses Motiv auf dem Antependium nur schwer zu verknüpfen, es sei denn, man bringt die Krippe (Geburt) in eine sehr enge inhaltliche Beziehung zum Kreuz (Tod): Jesus, auf die Welt gekommen, um als Gnadentat Gottes die Menschen am Kreuz von der Macht der Sünde zu erlösen.

Pultbehang

Der Pultbehang zeigt eine stilisierte Öllampe mit hell brennender Flamme auf einem halbrunden Fuß. Es erinnert an die Worte Jesu: “Lasset eure Lampen brennen” und: “Wachet und betet, denn ihr wisst weder Tag noch Stunde, wenn der Menschensohn wiederkommt”. (Lukas 12,35 und Matthäus 26,41)

Kanzelbehang

Es gibt zwei violette Kanzelbehänge, der eine hat als Motiv die Dornenkrone (Passionszeit). Hierzu ist das Lied des Gesangbuches eine Deutung: Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet, ins Angesicht geschlagen und verhöhnet... (Paul Gerhard EG # ).
In den Untergrund dieses Motivs sind Reihen von Dornenzweigen gestickt.
Mit dem Lied: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit... EG#1, N.N.), beginnt die Adventszeit, der Kanzelbehang zeigt als Motiv die Königskrone.
Der von Gott gesandte König kommt in die Welt, sein Reich aufzurichten und zu den Menschen guten Willens, um sie in Glauben, Liebe und Hoffnung zu stärken.
Die Krone wird auf einem Hintergrund von Davidssternen dargestellt: Jesus der Sohn Davids, den Gott zum König aller Welt gesetzt hat.
Joachim W. Bremer, Pfarer i.R.

Oktober 2014


   Acrobat Reader  Valid CSS!  Valid XHTML 1.0!
Hauptmenu
 
Submenu
 
bottom