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Das rote Parament

Pfingsten und am Reformationstag hängen rote Paramente. Außerdem bei Konfirmationen, Einführungsgottesdiensten neuer Pastoren, an Kirchweih, den Aposteltagen und Stephani.

Altarbehang

Der Altarbehang der roten Paramente der St. Martinskirche fällt aus zwei Gründen auf:

Zum einen die figürliche Darstellung im Gegensatz zu den anderen Paramenten, die sich mit Symbolen ausdrücken.
Zum anderen das gewählte Motiv: Die Emmaus-Jünger sind eher den Ostertagen zuzuordnen als dem Pfingstfest.

Eine erste Betrachtung:
Der Altarbehang zeigt die Szene, als Jesus, nach dem ganzen Weg bis nach Emmaus mit den beiden Männern, von ihnen ins Haus zum Abendessen und zum Übernachten eingeladen ist.
Sie sitzen in einem ‘angedeuteten’ Haus am Tisch, dem Gast wird die Ehre zuteil, über dem Brot den Segen zu sprechen und es dann weiterzugeben.
Es ist der Moment, wo die Beiden am Brotbrechen ihren Gast erkennen, den auferstandenen Christus, der ihnen auf dem Weg erklärt hatte, warum alles so kommen musste.
Und sie erkennen, dass Jesus nicht (nur) am Kreuz getötet wurde, sondern dass er lebend unter ihnen ist.

Es fällt auf, dass die beiden Jünger in der Darstellung gleichsam erwarten, was geschehen wird: Sie schauen auf den Gast, der sie beim Brotbrechen nicht anschaut, sondern den Blick zum Vater im Himmel erhebt.
Die Darstellung entfernt sich damit von dem damaligen Geschehen und wird übertragbar.

Die drei Personen sind figürlich dargestellt, aber nur Jesus ist durch die Gloriole identifizierbar. Wer die anderen beiden sind, wird nur aus der “Szene” erkennbar.
Somit, so könnte man sagen, wird diese - am Ostertag anzusiedelnde - Geschichte und das Geschehen offen für jede Kirche, für alle Orte, wo das Brot gebrochen und der Wein beim Abendmahl geteilt wird.
Jedermann kann in die Rolle der beiden Jünger schlüpfen, ihnen das eigene Gesicht geben.

Damit wird die Verbindung geschaffen von der Osterzeit über Pfingsten hinaus in die Zeit der Gemeinde. Durch den Heiligen Geist glauben wir, dass in Brot und Wein beim Abendmahl Christus Jesus unter uns ist.
Mit den beiden Jüngern erkennen auch wir, dass ER es ist, der uns das ‘Brot des Lebens’ teilt.

Pultbehang

Die anderen beiden Behänge greifen wieder auf symbolische Darstellungen zurück.

Der Pultbehang zeigt den Siebenarmigen Leuchter, in der Stiftshütte und dann dem Tempel in Jerusalem das Bild der heiligen Gegenwart Gottes.
Die Flammen lodern, und ebenso lodern sie auf dem Hintergrund, der Geist Gottes ist auf die Menschen ausgegossen, nicht mehr an einem Ort, sondern überall.

Kanzelbehang

Der Kanzelbehang zeigt den “Fischzug des Petrus”.
Kurz die Geschichte:
Jesus war ans Ufer des Sees von Genezareth gekommen, hatte einen der Fischer gefragt, ob er von seinem Boot aus zu der am Ufer versammelten Menge sprechen (=predigen) könne. Der, Petrus, stimmte zu und ruderte Jesus ein paar Schläge vom Ufer weg.
Der Inhalt der Predigt wird nicht berichtet, aber als Leser soll und darf man sich vorstellen, dass Petrus die ganze Zeit bei Jesus gesessen und zugehört hatte. Und man darf vermuten, dass er sich so seine Gedanken gemacht hat, ob das, was der gottgesandte Rabbi sagt, auch unter den Bedingungen dieser Welt Bestand haben würde. (Plassberg würde hier von einem Faktencheck sprechen…)
Als Jesus geendet hatte, fordert er Petrus auf, auf den See hinauszufahren und das Netz im tiefen Wasser auszuwerfen.
Der widerspricht: Bei Tag fängt man keine Fische und in der Tiefe sind sie nicht zu kriegen, man fängt sie nachts, wenn sie an die Oberfläche kommen.
Aber er lässt sich drauf ein, fährt hinaus, und als er das Netz einholt, ist es randvoll mit Fischen. Und Petrus hatte an den Worten dieses Mannes gezweifelt.

In der Gegenwart des Göttlichen packt ihn die Verzweiflung: “Gehe weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch!”. Aber Jesus geht darauf nicht ein: “Nein, Du sollst von jetzt an Menschen fischen.” Und ruft ihn in die Schar seiner Jünger.
Noch eine Beobachtung: Der Hintergrund, der ‘See von Genezareth’, ist dunkelrot und bewegt, wie Wellen tanzen darauf die Flammenmotive. Nur um das Boot ist es ruhig – vielleicht spielt hier ein weitere Motiv hinein: Die Jünger mit Jesus im Boot im Sturm - Wind und Wasser gehorchen Jesus, sie sind geborgen im Sturm.
Beide Bilder verbindet: Jesus als der Herr und Heiland der Gemeinde.
Pfingsten 2015
Pfarrer i.R. Joachim Bremer


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